Praxis für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin Peter Ascheid-Böddeker · Zeuthen

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Kinesiologie

Peter Ascheid-Böddeker – Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin

Die Kinesiologie befasst sich mit den Zusammenhängen zwischen Muskelfunktion, Körperhaltung und Beschwerden des Bewegungsapparates. Sie wird ergänzend zu den etablierten orthopädischen Verfahren eingesetzt und folgt dem Grundsatz, den Körper als Ganzes zu betrachten statt einzelne Symptome isoliert zu behandeln.

In diesem Sinne fließen in die Diagnosefindung und Therapie Erkenntnisse der Naturheilkunde und der komplementären Medizin ein, darunter auch die sogenannte Applied Kinesiology. Sie versteht sich nicht als Ersatz für die klassische orthopädische Untersuchung, sondern als zusätzlicher Blickwinkel auf funktionelle Zusammenhänge.

Das Grundkonzept der Applied Kinesiology

Die Applied Kinesiology basiert auf dem Konzept, dass bei den meisten Muskelspasmen, also bei Verhärtungen und Verkürzungen, eine Schwäche des Gegenspielermuskels vorliegt. Nach dieser Betrachtungsweise ist nicht der verspannte Muskel selbst die eigentliche Störung, sondern der geschwächte Antagonist auf der Gegenseite.

Daraus ergibt sich ein anderer Behandlungsansatz. Statt ausschließlich den schmerzenden, verhärteten Bereich zu bearbeiten, richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Zusammenspiel beider Muskelgruppen. Ziel ist es, das Gleichgewicht zwischen ihnen wiederherzustellen, damit die Verspannung nicht immer wieder von Neuem entsteht.

Muskeln und ihre Gegenspieler

Jede Bewegung im Körper entsteht aus dem Zusammenspiel von Muskeln, die einander entgegenwirken. Beugt eine Muskelgruppe ein Gelenk, streckt die andere es wieder. Dieses Prinzip zieht sich durch den gesamten Bewegungsapparat, von der Schulter über die Wirbelsäule bis zum Fuß.

Gerät dieses Verhältnis aus der Balance, etwa durch einseitige Belastung, langes Sitzen oder Schonhaltung nach einer Verletzung, muss ein Teil der Muskulatur dauerhaft mehr leisten. Verhärtungen und Schmerzen treten dann häufig an einer anderen Stelle auf als dort, wo die eigentliche Schwäche liegt. Genau diese Verschiebung greift die kinesiologische Betrachtung auf.

Erweiterte Betrachtungsweise

Mittlerweile wurden viele verschiedene Körperfunktionen in die Betrachtungsweise der Applied Kinesiology einbezogen, darunter die Bezüge zu Lymphfluss und Gefäßsystem. Damit erweitert sich der Blick über die Muskulatur hinaus auf Transport- und Versorgungsvorgänge im Gewebe.

Basierend auf Erkenntnissen der Ernährungslehre und der orthomolekularen Medizin wurden zudem Zusammenhänge zwischen Nährstoffen und Organen beschrieben. Enge Bezüge bestehen auch zur sogenannten Kraniosakralen Therapie. Diese Verfahren gehören zum Bereich der komplementären Medizin, deren Konzepte sich in ihrer wissenschaftlichen Bewertung von den etablierten orthopädischen Standardverfahren unterscheiden.

Kinesio-Tapes in der Orthopädie

In der Orthopädie kommt die Kinesiologie gezielt in Form pflasterartiger Kinesio-Tapes zur Anwendung. Diese elastischen Klebestreifen enthalten keinen Wirkstoff; ihre Wirkung wird allein dem mechanischen Reiz auf Haut und darunterliegendes Gewebe zugeschrieben.

Eingesetzt werden sie zur Korrektur der Körperhaltung, zur Stimulierung der Muskelfunktionen und zur Aktivierung des Lymphsystems. Je nach Zielsetzung unterscheiden sich Anlagetechnik, Zugrichtung und Spannung des Tapes, weshalb die Anlage in geschulte Hände gehört.

Wie das Tape angelegt wird

Das Tape wird auf die zuvor gedehnten Muskel- beziehungsweise Hautareale geklebt. Kehrt das Gewebe anschließend in seine Ausgangsstellung zurück, entsteht die charakteristische Wellenbildung auf der Haut. Dadurch wird die obere Hautschicht angehoben.

Diesem Effekt wird eine anregende, schmerzlindernde und entspannende Wirkung zugeschrieben; körpereigene Reparaturprozesse sollen dadurch verstärkt werden. Das Tape bleibt in der Regel mehrere Tage auf der Haut, ist wasserfest und schränkt die Beweglichkeit im Unterschied zu einem starren Verband nicht ein.

Typische Anwendungssituationen

Angewendet werden Tapes unter anderem bei muskulären Verspannungen, bei Beschwerden nach einseitiger Belastung, bei Schwellungsneigung sowie begleitend im Rahmen der Rehabilitation. Auch im sportlichen Bereich sind sie verbreitet, sowohl während der Belastung als auch in der Erholungsphase.

Die Anwendung erfolgt in der Regel nicht für sich allein, sondern begleitend zu anderen Maßnahmen wie Physiotherapie, gezieltem Training oder manueller Behandlung. Ob ein Tape im Einzelfall sinnvoll ist, lässt sich erst nach einer ärztlichen Untersuchung beurteilen.

Einordnung und Grenzen

Kinesiologische Verfahren gehören zur komplementären Medizin. Sie ergänzen die orthopädische Diagnostik, ersetzen sie jedoch nicht. Vor jeder Behandlung steht daher die Abklärung der Beschwerden mit den üblichen Mitteln, also Anamnese, körperliche Untersuchung und bei Bedarf bildgebende Verfahren.

Die wissenschaftliche Datenlage zu den einzelnen kinesiologischen Verfahren wird unterschiedlich bewertet und ist nicht mit der Evidenz etablierter Standardtherapien gleichzusetzen. Entscheidend ist deshalb, dass behandlungsbedürftige Ursachen zuvor erkannt und nicht durch eine ergänzende Maßnahme verdeckt werden.

Bedeutung der Kinesiologie im Alltag

Viele Beschwerden am Bewegungsapparat entstehen nicht durch eine einzelne Verletzung, sondern durch dauerhafte Fehlbelastung im Alltag. Die kinesiologische Betrachtung lenkt den Blick auf diese funktionellen Zusammenhänge und darauf, dass Schmerzort und Ursache nicht zwangsläufig übereinstimmen.

Für Betroffene kann dieser Blickwinkel hilfreich sein, um wiederkehrende Beschwerden besser einzuordnen und die eigene Haltung und Belastung bewusster wahrzunehmen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema ist damit für alle relevant, die ihre Beweglichkeit langfristig erhalten möchten.

Sie haben Fragen zur Kinesiologie? Rufen Sie uns an: 033762 82338-0

Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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