ESWT – Extrakorporale Stoßwellentherapie
Peter Ascheid-Böddeker – Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin
Die extrakorporale Stoßwellentherapie, kurz ESWT, ist ein nicht operatives Verfahren, bei dem Druckwellen von außen durch die Haut in tiefer liegendes Gewebe eingebracht werden. Sie kommt vor allem bei anhaltenden Beschwerden an Sehnen, Sehnenansätzen und Muskulatur zum Einsatz. Ursprünglich wurde die Methode für die Zertrümmerung von Nieren- und Gallensteinen entwickelt; im Laufe der Zeit zeigte sich, dass sich das Prinzip auch bei zahlreichen orthopädischen Beschwerdebildern nutzen lässt.
Inzwischen ist die Stoßwellentherapie für bestimmte Indikationen auch von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA zugelassen, die für die Anerkennung von Behandlungsverfahren strenge Maßstäbe anlegt. Das Verfahren wird meist dann in Betracht gezogen, wenn Beschwerden über längere Zeit bestehen und andere konservative Maßnahmen nicht zum gewünschten Ergebnis geführt haben.
Fokussierte und radiale Stoßwellen
Grundlegend ist die Unterscheidung zwischen fokussierter und radialer Stoßwelle, denn es handelt sich um zwei physikalisch verschiedene Methoden. Die hochenergetische fokussierte Stoßwelle erreicht hohe Energiedichten in einer definierten Tiefe im Körper und belastet die Körperoberfläche vergleichsweise wenig. Die Eindringtiefe lässt sich dabei an die jeweilige Fragestellung anpassen.
Die radiale Stoßwelle ist dagegen eine Druckwelle mit langsam ansteigender Druckamplitude. Sie dringt nur gering in die Tiefe ein und schwächt sich im Gewebe rasch ab. Ihre Wirkung entfaltet sie deshalb vor allem oberflächennah, was sie für die Behandlung muskulärer Verkürzungen und Verspannungen geeignet macht. In der praktischen Anwendung werden die Vorzüge beider Techniken häufig miteinander kombiniert.
Wie Stoßwellen im Gewebe wirken
Charakteristisch für die fokussierte Stoßwelle ist der extrem schnelle Anstieg der Druckamplitude. Dieser mechanische Reiz löst molekulare Veränderungen an der Zelle aus. So verändert sich beispielsweise die Durchlässigkeit der Zellmembran für verschiedene Substanzen, wodurch entzündliche Prozesse gehemmt werden können.
Der Ansatz unterscheidet sich damit deutlich von einer rein schmerzdämpfenden Behandlung, da nicht allein das Symptom, sondern der Zustand des Gewebes selbst adressiert wird. Bei chronischen Sehnenansatzbeschwerden, die sich über Monate entwickelt haben, spielt dieser Aspekt eine besondere Rolle.
Typische Anwendungsgebiete in der Orthopädie
In der Orthopädie findet die fokussierte Stoßwelle unter anderem Anwendung bei Tennisellenbogen, Kalkschulter, Fersensporn beziehungsweise Beschwerden am Ansatz der Sehnenplatte an der Ferse, beim Kniescheibenspitzenschmerz sowie bei Entzündungen an Sehnenansätzen. Auch bei einer Falschgelenkbildung, der sogenannten Pseudarthrose, wird das Verfahren eingesetzt.
Bei mehreren dieser Beschwerdebilder lässt sich in vielen Fällen ein operativer Eingriff vermeiden. Ob die Methode für die jeweiligen Beschwerden infrage kommt, lässt sich allerdings nicht pauschal beantworten, sondern erst nach gründlicher ärztlicher Untersuchung entscheiden.
Wie erfolgreich ist die fokussierte Stoßwellentherapie?
Im Rahmen der Zulassungsverfahren der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA wurden in placebokontrollierten Studien Wirksamkeitsraten von 75 bis 90 Prozent bei Kalkschulter, Tennisarm und Fersenspornbeschwerden nachgewiesen. Damit gehört die Methode zu den besser untersuchten konservativen Verfahren in diesem Bereich.
Solche Zahlen sind Durchschnittswerte und lassen sich nicht unmittelbar auf den Einzelfall übertragen. Der Behandlungserfolg hängt unter anderem von der Dauer der Beschwerden, der genauen Diagnose und der Auswahl der geeigneten Stoßwellenform ab. Eine sorgfältige Abklärung vor Behandlungsbeginn ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil.
Ablauf einer Behandlung
Vor Beginn der Behandlung erfolgen eine kurze manuelle Untersuchung und eine Ultraschalluntersuchung des betroffenen Areals. Auf dieser Grundlage werden der Behandlungspunkt, die Eindringtiefe und die Energiedichte festgelegt. In der Regel sind drei bis fünf Sitzungen erforderlich, eine Sitzung dauert etwa zwanzig Minuten.
Nach der Behandlung ist keine Begleitperson notwendig. Die Betroffenen sind im Normalfall problemlos arbeitsfähig und auch in der Lage, ein Kraftfahrzeug zu führen. Damit lässt sich das Verfahren gut in den Alltag einordnen und kann dazu beitragen, Zeiten der Arbeitsunfähigkeit zu vermeiden.
Ist die Stoßwellentherapie schmerzhaft?
In aller Regel ist die Stoßwellentherapie ohne Anästhesie durchführbar. Nur in Ausnahmefällen ist eine örtliche Betäubung erforderlich. Während der Anwendung wird der Impuls als deutlich spürbar beschrieben, insbesondere wenn ein schmerzhafter Bereich getroffen wird.
Die Behandlung gilt in den Händen eines erfahrenen Anwenders als risikoarm. Voraussetzung dafür ist eine korrekte Indikationsstellung, da nicht jede Schmerzursache für dieses Verfahren geeignet ist. Über mögliche Begleiterscheinungen und Gegenanzeigen wird im Rahmen des ärztlichen Gesprächs aufgeklärt.
Chronische Sehnenbeschwerden im Alltag
Viele Beschwerdebilder, bei denen die Stoßwellentherapie zum Einsatz kommt, verlaufen chronisch. Tennisellenbogen, Fersensporn oder Kalkschulter bestehen häufig über Monate und schränken alltägliche Bewegungen spürbar ein. Betroffene berichten von Schwierigkeiten beim Greifen, beim Heben des Arms oder bei den ersten Schritten am Morgen.
Anhaltende Schmerzen führen oft zu Schonhaltungen, die ihrerseits neue Fehlbelastungen begünstigen. Auch Schlaf, Belastbarkeit und Stimmung können darunter leiden. Diese Zusammenhänge gehören zum Gesamtbild und sollten bei der Beurteilung chronischer Beschwerden mitbedacht werden.
Wo kann bei anhaltenden Beschwerden Hilfe gesucht werden?
Bei Schmerzen an Sehnen oder Sehnenansätzen, die über mehrere Wochen bestehen, ist eine orthopädische Abklärung sinnvoll. Dort lässt sich klären, welche Struktur betroffen ist und ob eine Stoßwellenbehandlung, andere konservative Maßnahmen oder weiterführende Diagnostik angezeigt sind.
Wichtig ist, dass vor der Anwendung eine klare Diagnose steht. Ähnliche Beschwerden können sehr unterschiedliche Ursachen haben, etwa Nervenreizungen, Gelenkveränderungen oder entzündliche Erkrankungen. Erst die genaue Zuordnung entscheidet darüber, ob das Verfahren geeignet ist.
Bedeutung der Stoßwellentherapie im Alltag
Beschwerden an Sehnen und Sehnenansätzen gehören zu den häufigsten Gründen für eingeschränkte Belastbarkeit im Berufs- und Sportalltag. Die ESWT hat sich in diesem Bereich als eine Möglichkeit etabliert, chronische Verläufe zu beeinflussen, ohne dass ein operativer Eingriff erforderlich wird.
Ein grundlegendes Verständnis der Methode kann dabei helfen, Behandlungsangebote realistisch einzuordnen und die eigene Situation besser einzuschätzen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema ist damit nicht nur für Betroffene relevant, sondern für alle, die ihre Belastbarkeit langfristig erhalten möchten.
Sie haben Fragen zur Stoßwellentherapie? Rufen Sie uns an: 033762 82338-0
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.