Praxis für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin Peter Ascheid-Böddeker · Zeuthen

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Säure-Basen-Haushalt-Test nach Sander

Peter Ascheid-Böddeker – Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin

Der Säure-Basen-Haushalt-Test nach Sander ist ein naturheilkundliches Untersuchungsverfahren, das die über die Nahrung aufgenommene Säuremenge der Säureausscheidung im Urin gegenüberstellt. Er geht auf Friedrich Sander zurück, der bereits 1953 das Konzept der sogenannten latenten Azidose beschrieb.

Störungen im Säure-Basen-Haushalt spielen nach Auffassung der Naturheilkunde bei der Entstehung chronischer Beschwerden eine wichtige Rolle. In der wissenschaftlichen Medizin wird dieser Zusammenhang kontrovers diskutiert und überwiegend zurückhaltend bewertet. Der Test ist deshalb als ergänzendes Verfahren einzuordnen, das die übliche ärztliche Diagnostik nicht ersetzt.

Grundlagen des Säure-Basen-Haushalts

Säuren sind chemische Verbindungen, die in wässriger Lösung positiv geladene Wasserstoff-Ionen abspalten. Ihre Gegenspieler, die Basen, setzen negativ geladene Hydroxid-Ionen frei. Säurebildend wirken beispielsweise Chlor, Phosphor und Schwefel, basenbildend unter anderem Natrium, Kalium, Calcium und Magnesium.

Der Säuregrad einer Flüssigkeit wird durch den pH-Wert beschrieben, der theoretisch zwischen 0 für extrem sauer und 14 für extrem basisch liegen kann. Die meisten Lebensvorgänge im Organismus laufen in neutralem oder leicht basischem Milieu ab. Das Blut hat einen sehr konstanten pH-Wert von etwa 7,4; bereits deutliche Abweichungen nach oben oder unten wären lebensbedrohlich.

Wie der Körper das Gleichgewicht hält

Damit solche Verschiebungen im Blut nicht auftreten, verfügt der Organismus über wirksame Puffersysteme. Sie können vorübergehend erhebliche Säuremengen abfangen und halten den pH-Wert des Blutes in engen Grenzen stabil, selbst wenn die Zufuhr schwankt.

Ausgeschieden werden Säuren über mehrere Wege. Den größten Anteil trägt die Atmung in Form von Kohlensäure. Hinzu kommen die Niere, der Schweiß mit dem Säureschutzmantel der Haut sowie die Magensäureproduktion, deren Anteil letztlich über den Stuhl ausgeschieden wird. Das Zusammenspiel dieser Wege bestimmt, wie gut der Körper mit einer erhöhten Säurelast zurechtkommt.

Das Konzept der latenten Azidose

Die latente Azidose beschreibt nach Sander ein Stadium, in dem die basischen Pufferreserven teilweise verbraucht sind, ohne dass sich der pH-Wert des Blutes bereits messbar verändert hätte. Das Konzept setzt damit vor jener Schwelle an, ab der eine Störung im Blut nachweisbar wäre.

Aus diesem Ansatz erklärt sich auch, warum eine unauffällige Blutgasanalyse aus Sicht der Naturheilkunde das Konzept nicht widerlegt: Sie erfasst den pH-Wert, nicht die verbliebene Pufferkapazität. Aus Sicht der wissenschaftlichen Medizin gilt hingegen als offen, ob eine solche Vorstufe in der beschriebenen Form existiert und krankheitsrelevant ist.

Mögliche Ursachen nach dem naturheilkundlichen Modell

Als Ursachen einer erhöhten Säurebelastung werden vor allem Ernährungsgewohnheiten genannt: ein hoher Anteil an tierischem Eiweiß, Alkohol, Fett, Weißmehlprodukten und Zucker sowie ein starker Konsum von Kaffee und Tabak. Ergänzend wird auf eine verminderte Basenzufuhr durch nährstoffärmere Böden verwiesen.

Auch die Lebensführung wird einbezogen. Dazu zählen dauerhafter Stress, Angst und depressive Verstimmungen, die über die Hormonlage auf den Stoffwechsel wirken, ebenso Bewegungsmangel, aber auch exzessiver Sport mit zu kurzen Erholungsphasen. Hinzu kommen Erkrankungen der Verdauungsorgane, Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen sowie chronisch entzündliche Erkrankungen.

Zugeordnete Beschwerdebilder

Dem Konzept zufolge werden nicht ausgeschiedene Abfallprodukte, häufig als Schlacken bezeichnet, im Bindegewebe und in den Gelenken abgelagert. In Verbindung damit werden unter anderem Gichtanfälle, Arthritis, Kalkschulter und Beschwerden an der Achillessehne gebracht; bei langem Verlauf zusätzlich Gefäßverkalkungen und Osteoporose.

Diese Zuordnungen entstammen dem naturheilkundlichen Erklärungsmodell und sind wissenschaftlich nicht als Ursache-Wirkungs-Beziehung belegt. Für die genannten Krankheitsbilder bestehen jeweils eigene, gut untersuchte Ursachen und Behandlungswege, die vorrangig abzuklären sind.

Die Säure-Basen-Titration nach Sander

Der Ablauf ist einfach und lässt sich auch zu Hause durchführen. An zwei Tagen protokolliert der Patient, was er gegessen und getrunken hat; daraus wird die aufgenommene Säuremenge bestimmt. Am zweiten Tag werden fünf Harnproben im Abstand von jeweils drei Stunden gesammelt.

Im Labor wird anschließend die über die Nahrung aufgenommene Säure der Säureausscheidung im Urin gegenübergestellt. Aus den ermittelten Werten errechnet sich der sogenannte Aziditätsquotient. Aus ihm wird nach dem Konzept auf die noch vorhandene Pufferkapazität geschlossen.

Aussagekraft und Grenzen

Der Test bildet ein Verhältnis aus Zufuhr und Ausscheidung über einen kurzen Zeitraum ab. Entsprechend beeinflussen Ernährung, Trinkmenge, Medikamente und körperliche Belastung an den Messtagen das Ergebnis. Eine sorgfältige Protokollführung ist deshalb Voraussetzung für eine sinnvolle Auswertung.

Die Aussagekraft des Verfahrens ist wissenschaftlich umstritten, und ein auffälliger Wert ist kein Nachweis einer Erkrankung. Bestehende Beschwerden sollten daher immer zusätzlich mit den üblichen Mitteln abgeklärt werden, damit behandlungsbedürftige Ursachen nicht übersehen werden.

Ansätze zur Entsäuerung

Die im Rahmen dieses Konzepts empfohlenen Maßnahmen sind weitgehend allgemeine Gesundheitsempfehlungen: eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung, ausreichend Bewegung, seelische Entlastung und geregelte Erholungsphasen. Ergänzend werden zeitlich begrenzt Basenpräparate eingesetzt, in manchen Konzepten auch als Infusion.

Weitere Maßnahmen wie Darmsanierung oder Ausleitungsverfahren gehören ebenfalls zum naturheilkundlichen Repertoire, sind in ihrer Wirksamkeit jedoch nicht belegt. Ob und in welchem Umfang solche Maßnahmen sinnvoll sind, sollte im Einzelfall ärztlich besprochen werden, insbesondere bei Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen.

Bedeutung im Alltag

Unabhängig von der Bewertung des Konzepts lenkt die Beschäftigung mit dem Säure-Basen-Haushalt den Blick auf Faktoren, die für die Gesundheit unbestritten bedeutsam sind: Ernährung, Bewegung, Erholung und der Umgang mit Stress. Diese Bereiche lassen sich im Alltag unmittelbar beeinflussen.

Eine basenbetonte, pflanzenreiche Ernährung und eine ausgewogene Lebensweise sind dabei nicht als kurzfristige Kur gedacht, sondern langfristig angelegt. Die Auseinandersetzung mit dem Thema ist damit für alle relevant, die ihre Ernährungs- und Lebensgewohnheiten bewusster gestalten möchten.

Sie haben Fragen zum Säure-Basen-Haushalt-Test? Rufen Sie uns an: 033762 82338-0

Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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